Gesellschaft / Kursdetails

N10030 Veranstaltungsreihe "Waffenhandel" - Marburger Forum für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen
in Kooperation mit ARBEIT und LEBEN (AG zwischen vhs und DGB)

Beginn Di., 30.04.2019, 20:00 - Uhr
Kursgebühr 0,00 €
Dauer 5 Termine
Kursleitung Ralf Dörschel

Die entwicklungspolitisch orientierte Veranstaltungsreihe des Weltladen Marburg widmet sich im Sommersemester dem Thema „Waffenhandel“. Denn die globalen Ausgaben für Rüstung und Waffen lassen im Vergleich die Summen, die für die Lösung zentraler entwicklungspolitischer Probleme wie Hunger, Armut oder Klimawandel nötig und ausreichend wären, als lächerlich gering erscheinen. Insofern stellt der globale Waffenhandel ein zentrales Hindernis für die Lösung dieser existentiellen Probleme dar. Und das ist nicht nur ein theoretischer Zusammenhang: Der größte Waffenimporteur der Welt ist mit Indien ein Land, das zugleich auch die höchste Zahl an Hungernden weltweit auf-weist.
Deutschland ist dabei nach wie vor weltweit einer der wichtigsten Waffenexporteure. Und diese Exporte gehen nicht nur in Nato-Staaten. Ganz oben auf der Empfängerliste stehen nach wie vor auch Länder im Nahen Osten wie z.B. Saudi-Arabien, aktuell trotz ihrer Verwicklung in den Jemen-Krieg. Der vermeintliche Grundsatz, keine Waffen in Spannungsgebiete zu liefern, wird ständig ignoriert. Als Begründung müssen dann meist die Sicherung von Arbeitsplätzen und geostrategische Interessen herhalten.
Waffen verbleiben aber häufig nicht an dem Ort und bei den Empfängern, denen sie offiziell geliefert werden. Vielmehr blühen legale und illegale Märkte. So wurden G36-Sturmgewehre der deutschen Firma Heckler & Koch mit der Auflage nach Mexiko geliefert, sie nicht in bestimmten Bundesstaaten mit bewaffneten Konflikten einzusetzen. Trotzdem wurden sie genau dorthin weitergeleitet, z.B. in den Bundesstaat Guerrero. Verwendet wurden sie hier dann von der Polizei für die Ermordung von 6 Studenten und der Entführung von 43 weiteren in Iguala im Herbst 2014.
Weil ein großer Teil des Waffenhandels, gerade mit Kleinwaffen, auf eine informelle oder illegale Wei-se geschieht, überschneiden sich die Strukturen des Waffenhandels häufig mit denen von Menschen- und Drogenhandel. Gerade in Bezug auf die aktuellen kriegerischen Konflikte in der Sahara und im Sahel sehen viele Beobachtende im Kampf um diese illegalen, aber profitablen Märkte eine der zentralen Konfliktursachen. Geführt werden die Kriege vielfach mit Waffen aus den Beständen der früheren libyschen Armee, die nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes plötzlich überall in der Region auf-tauchten. Außerdem könnten ohne funktionierende Strukturen von illegalen Waffenhandel Kriege niederer Intensität, die weltweit den größten Teil bewaffneter Konflikte ausmachen, oder sogenannte Drogenkriege wie aktuell in Mexiko, gar nicht geführt werden.
Der illegale und informelle Handel mit Kleinwaffen stellt auch eine wichtige Grundlage dar für die ständige Bedrohung und Ermordung von Aktivist*innen aus sozialen Bewegungen, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, wie sie permanent in Ländern wie Brasilien, Honduras, Mexiko und vielen anderen geschieht. Die Erreichung zentraler entwicklungspolitischer Ziele wie Demokratie, Menschen-rechte und Partizipation wird dadurch entscheidend erschwert.
In den USA - und demnächst wohl auch Brasilien - wird der Waffenbesitz von einer mächtigen Waffenlobby und den Konservativen zum allgemeinen Recht verklärt bzw. ist sogar in der Verfassung verankert. Im Supermarkt ist es vielerorts leichter eine Packung Munition zu kaufen als eine Flasche Wein. Mit furchtbaren Folgen: Gewalttaten mit Schusswaffen sind dort endemisch, gehören zum Alltag.
Gleichzeitig ist zu fragen, inwieweit es bei der globalen Verherrlichung und Zuschaustellung des Waffenbesitzes auch um die symbolische und ganz praktische Aufrechterhaltung patriarchaler Herrschaftsverhältnisse geht – in Zeiten, in denen sie global vielfach durchaus erfolgreich in Frage gestellt werden.
Banken und das internationale Finanzsystem sind ein weiterer Faktor beim internationalen Waffen-handel, der in der Veranstaltungsreihe eine Rolle spielen wird. Banken sind einerseits zentral für die Finanzierung von Rüstungsproduktion und -handel. Ebenso wichtig ist aber auch ihre Rolle für die Rückflüsse von Schwarzgeldern aus der inoffiziellen Ökonomie in den formellen Geldkreislauf, also die Geldwäsche von Gewinnen aus dem illegalen Waffenhandel.
http://www.marburger-weltladen.de/pages/veranstaltungen/veranstaltungskalender.php.




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